Depressionen
Diese Bezeichnung stellt einen Sammelbegriff für eine Gruppe von Krankheitsbildern bzw. Störungen dar, die mit einer Veränderung oder Störung von Stimmung und Affektivität einhergehen und überwiegend durch Depressivität gekennzeichnet sind. Die Depressivität kann zeitweise von Ängsten begleitet sein. Die gestörte Stimmungslage kann kurz- oder längerfristig auftreten. Sie kann in direktem Zusammenhang mit Belastungssituationen häufig auf dem Boden einer frühkindlich erworbenen Disposition entstehen. Es können auch längerdauernde lebensgeschichtliche Hintergründe einen wesentlichen Krankheitsfaktor darstellen. Außerdem spielen bei einigen Erkrankungen genetische und andere biologische Faktoren eine Rolle. Im Weiteren werden folgende Krankheitsbilder mit ihrer typischen Symptomatik und den Behandlungsmöglichkeiten dargestellt:
- neurotische Depressionen / Dysthymia Neurotische Depressionen · Anhaltende ängstliche Depression · Dysthymia Menschen, die unter dieser Störung leiden, fühlen sich oft monatelang müde und depressiv verstimmt. Alles erscheint ihnen anstrengend, nichts kann von ihnen genossen werden. Sie grübeln viel, schlafen schlecht und fühlen sich im sozialen Kontakt unzugänglich. Sie bleiben aber in der Regel fähig, die Anforderungen ihres täglichen Lebens zu bewältigen. Die Betroffenen haben gewöhnlich längere Perioden vergleichsweiser Normalität. Es handelt sich aber um eine chronische depressive Verstimmung, die häufig schon im frühen Erwachsenenalter einsetzt und mehrere Jahre andauert. Da hier lebensgeschichtliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen, wurden sie früher als depressive Neurose oder auch neurotische Depressionen bezeichnet. Um diese Diagnose stellen zu können, muss die Störung nach den Kriterien der ICD-10 mehr als zwei Jahre anhalten. Die Betroffenen suchen häufig lange Zeit Rat in ihrem sozialen Umfeld und beim Hausarzt. Medikamente sind in aller Regel nicht erforderlich. Je nach Ausprägungsgrad der depressiven Symptomatik sprechen wir von leichten, mittelgradigen oder schweren Depressionen (depressiven Episoden), bei periodisch wiederkehrenden Krankheitsphasen sprechen wir von rezidivierenden depressiven Störungen. Neurotische Depressionen: Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlung beginnt mit einer ärztlichen Abklärung der Krankheitsursachen. Hier sollten unterschiedliche körperliche Erkrankungen (z. B. Eisenmangelzustände, Schilddrüsenerkrankungen oder andere hormonelle Störungen) ausgeschlossen werden. Dann sollte in einer genauen Erhebung der Krankengeschichte die Erkrankung von anderen psychischen bzw. psychiatrischen Erkrankungen abgegrenzt werden. Danach ist bei entsprechendem Leidensdruck eine psychotherapeutische Behandlung erfolgversprechend. Hier erscheint eine tiefenpsychologisch fundierte Behandlung vorteilhaft, da lebensgeschichtliche Zusammenhänge ursächlich wirksam sind; und diese durch Psychotherapie erfolgreich bearbeitet werden können. Eine medikamentöse Behandlung ist in aller Regel nicht erforderlich. Depressionen: Zyklothymia Hier leiden die Betroffenen seit dem frühen Erwachsenenalter unter einer andauernden Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden leichter Depressionen und leicht gehobener Stimmung. Auch wenn die Stimmung monatelang stabil sein kann, handelt es sich um einen chronischen Verlauf über Jahre. Die Stimmungsschwankungen werden von den Betroffenen ohne Zusammenhang zu Lebensereignissen erlebt. Hierbei ist entscheidend, dass die Stimmungsschwankungen in aller Regel leicht verlaufen, so dass die Betroffenen nur selten eine ärztliche Behandlung aufsuchen. Den Betroffenen fallen häufig weniger die Stimmungsschwankungen, als die Schwankungen ihrer Aktivität oder Schwankungen des Selbstwertgefühls und der Kontaktfähigkeit auf. Wenn die Stimmungsschwankungen ein stärkeres Ausmaß annehmen sollten, handelt es sich im allgemeinen um andere Krankheitsbilder: z. B. manisch-depressive Erkrankungen, emotional instabile Persönlichkeitsstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder anhaltende depressive Anpassungsstörungen. Behandlungsmöglichkeiten: Nach einer eingehenden ärztlichen diagnostischen Abklärung gegenüber den o. g. Krankheitsbildern erscheint erfahrungsgemäß eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in aller Regel ausreichend. Diese Störungen kommen häufiger bei Verwandten von Patienten mit einer bipolaren affektiven Störung (manisch-depressiven Erkrankung) vor und einige Personen mit einer Zyklothymia entwickeln im weiteren Leben eine bipolare affektive Störung. Aus diesem Grunde erscheinen diagnostische ärztliche Abklärungen sinnvoll. Leichte Depressionen · Leichte depressive Episode Die Betroffenen leiden mehr als zwei Wochen unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und einer Verminderung des Antriebs. Es kommt zu einer verstärkten Ermüdbarkeit und zu einer Einschränkung von Aktivitäten. Müdigkeit tritt häufig schon nach kleinen Anstrengungen auf. Zusätzlich können Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel oder Schuldgefühle auftreten. Es treten meistens nicht alle Symptome gleichzeitig auf und sie bleiben durchgehend in einer leichten Ausprägung. Tagesschwankungen, morgendliches Früherwachen und Appetitverlust können hinzutreten, müssen aber nicht als Begleitsymptome auftreten. Behandlungsmöglichkeiten: Nach einer eingehenden ärztlichen Diagnostik zum Ausschluss von körperlichen Erkrankungen und zur Abgrenzung gegenüber anderen psychiatrischen Störungen erscheint hier eine fachärztliche Behandlung erforderlich, die neben tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie auch eine medikamentöse antidepressive Behandlung sinnvoll erscheinen lässt.
O. Rüster
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